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Einige Gedanken anlässlich Silvester 2011, Teil 5

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  • Gilbert
    Kritik an Pyro-Art: Pyro-Arts neue China-Böller, unnötig engleutsch Black Powder Böller benannt (was soll das, es sind doch China-Kracher und -Böller?)
    Message 1 of 1 , May 1, 2012
      Kritik an Pyro-Art:

      Pyro-Arts neue China-Böller, unnötig engleutsch "Black Powder Böller" benannt (was soll das, es sind doch China-Kracher und -Böller?) sind schlechter als nötig. Der Markt wäre auch für einen höheren Preis gut, wenn die Qualität wieder der vor etlichen Jahren entspräche. Die Böller dürften viel mehr Pulver enthalten als sie es tatsächlich tun.

      Die Reibkopfknaller sind unnötig leise und nach Katalogangaben mit 0,45 Gramm Pulver lächerlich befüllt. Ein deutscher Comet-Knaller ist auch nicht größer und enthält ungefähr 2 Gramm! Dafür explodiert er mit sattem "Womm" und nicht mit chinesischem "Ping".
      Eine "Eigenentwicklung", wie von Pyro-Art für die neue, eigene Produktserie hervorgehoben, ist hier nicht zu erkennen, da die Reibkopfknaller (immerhin ein ehrlicher Name) sich nur äußerlich von Ukat oder Nico-Reibkopfkrachern aus China unterscheiden.
      Warum lässt man sich nicht einfach den immer noch von Weco hergestellten "Deutschen Knaller Brigant" mit knapp 2 Gramm Pulver befüllt liefern? Im Weco-Original hat er nach Packungsangabe 0,99 Gramm (wer misst das eigentlich wie aus?). Eine andere Zulassung wäre wohl nicht erforderlich, da der Brigant unter seiner BAM-Nummer schon in ganz unterschiedlicher Qualität hergestellt wurde. Immerhin war er in den 70-ern der lauteste westdeutsche Reibzündkracher dieser Größe, lauter als Pirat, Kobold, Comet-Knaller und Wodan-Knaller, nachdem der noch etwas bessere Berliner "Zoro" verschwand.

      Kanonenschläge, Pfennigschwärmer, Wurfböller und sogar Frösche fehlen bisher völlig im Knallerangebot von Pyro-Art. Auch ist niemand auf die Idee gekommen, mal einen "Goldregenknaller" als Ersatz für Schwärmer oder Harzer Hexenknaller herstellen zu lassen.

      Der neue Vulkan "Glanzpunkt" verfügt über eine schön lange Brenndauer von ca. 20 Sekunden. Bei farbiger Grundflamme wirft er eine Silberfontäne mit goldenen Funkenspitzen aus. Er ist aber zu groß, da nur knapp zur Hälfte gefüllt; es liegt die als "Betrugspackung" verschrieene, mit Cellophan verkleidete, leere untere Hälfte vor.
      Früher gab es die echten Kaliber A-Vulkane ohne vergrößernden Fuß von Comet und Feistel, und sie wurden gut verkauft. Gerade solch ein winziges Teil mit dieser Wirkung und Brenndauer würde beeindrucken!
      Positiv hervorzuheben ist, dass mit diesem kleinen Vulkan ein "richtiger Feuerwerkskörper" in der Klasse 1 zugelassen werden konnte. Dies ermöglichten die neuen Bestimmungen über den Inhalt an "Nettoexplosivmasse", wie man den pyrotechnischen Satz jetzt EU-mäßig nennt, auch wenn dieser gar nicht explodieren kann. Interessanterweise steht auf dem Vulkan "NEM: 12 g", während auf der 6-er Packung 43,2 g angegeben sind, also 7,2 g je Vulkan.
      Mit dem Keller-Vesuv, für den die "Glanzpunkte" Ersatz sein sollen, sind sie aber nicht zu vergleichen. Dessen Ausbruch erreicht (bei 15 Sekunden Brenndauer des Vulkans) 4 Meter Höhe, der "Glanzpunkt" (warum heißt das Ding nicht Vesuv klein oder so?) lediglich knapp 2 Meter, und das bei ähnlichem Preis.

      Viel Zuspruch fand der Fontänenverbund "Pfeifenheinrich". Es fragt sich aber, ob der Spaß mit dem leuchtenden Gesicht jahrelang amüsieren kann, wenn er erst einmal bekannt ist.
      Ich hatte diesen Artikel nicht zur Verfügung.

      Eine Zumutung waren die Römischen Lichter 15 mit dem einfältigen Namen "Star Runner": Bei einer angegebenen Effekthöhe von 25 (fünfundzwanzig, sic!) Metern (Bescheidenheit ist eine Zier, doch mehr bekommt man ohne ihr) erreichten sie mit vielen Schüssen 0 (null) Meter. Der Inhalt fiel einem aus dem Rohr gleich aufs Bein oder ins Gesicht.
      Manche der blauen Leuchtkugeln erreichten vielleicht 5 Meter Reichweite.
      Ja, ich weiß ja, wir sollen die Römischen Lichter eingraben wie die Geisteskranken. Es ist nur seltsam, dass auf solchen für England oder Amerika steht "hold in hand straight away from body" und früher auf den deutschen ebenfalls "vom Körper weg fest in der Hand halten" stand. Die Technik macht eben Fortschritte ...
      Na gut, graben wir unser Römisches Licht ein. Dann fallen die Sterne eben in die Tüten und Kartons mit Feuerwerk, die wir schließlich irgendwo abstellen müssen, und das nicht 50 Meter entfernt - so viel Zeit hat keiner, ständig hin und her zu laufen. Außerdem könnte man bestohlen werden.
      Als I-Tüpfelchen ist dann jeder zweite Schuss kein Stern, sondern unsägliches "Grägglink", Knattersterne, die keiner mehr hören kann und die der Wind schön in die Haare treibt.

      Man muss nicht nach China fliegen, wie Pyro-Art es nach Hörensagen tat, um Knattersterne zu bestellen. Wenn man schon dahin fliegt, könnte man dafür sorgen, dass es mal einen Artikel OHNE diesen mittlerweile vielen zum Halse heraushängenden Effekt, der jede Feuerwerksromantik zerstört, gäbe! Böse Zungen behaupteten ja schon, die Chinesen wollten damit ihre industriellen Bleiabfälle entsorgen.

      Auch die "herkömmlichen" 20-er Römischen Lichter (die natürlich auch nicht so heißen, sondern "Glanzlichter", als ob irgendjemand wüsste, dass damit ein Röli gemeint ist) glänzten bei ihrem Auftritt nicht. Viele werfen 5 bis 15 ihrer Sterne eruptionsartig in Sekundenbruchteilen aus. Manche machen danach Pause, sodass man sie weglegt - äh, darf man ja nicht, also gut, dann eben - nachguckt, weil sie ja eingegraben oder einbetoniert sind oder so - und dann kommen zur Überraschung doch noch ein paar Sternchen, und manche von denen fliegen sogar ein paar Meter weit.
      Vielleicht hätte man, statt nach China zu reisen, einfach die bewährten Römischen Lichter 20 von Keller behalten (oder dieselben in China bestellen) sollen, statt mit einer "Eigenentwicklung" unter, wie man hört, erheblichen Mühen und angestrengtem Aufwand, Verschlechterungen zu realisieren.

      Ganz niedlich wären die kleinen Fontänen "Glitzerzauber" mit ihren ca. 13 Sekunden Brenndauer, hätten sie nur einen Handgriff. Warum man so etwas auf den Boden stellen soll, bleibt unergründlich - oder sollte die Ware etwa nicht explosionssicher sein, weil Gruß die Öffnung zusetzen könnte? Unsere deutschen Fontänen wie Kristallregen, Goldstrahler, Perl- oder Kornblumenfontäne waren jedenfalls diesbezüglich sicher.

      Die neuen Batterien wurden vielfach gelobt, bis auf Balder: dünnes Gold, Knattersterne und teuer. Besonders "Sol" und "Beli" erregten positive Aufmerksamkeit durch Wirkung sowie Preis- und Leistungsverhältnis. Andere kenne ich aber auch nicht; Batterien verwende ich nicht beim Silvesterfeuerwerk.
      Erfreulich sind die einprägsamen Benennungen nach nordischen Mythen und Göttern. So kann man sich den Namen der Batterie, die einem gefiel, wenigstens merken und sein Sommer- oder Gartenfeuerwerk sinnvoll planen.

      Zu den Raketen vermag ich noch nichts zu sagen. Da es sie nur gemischt, nicht aber in sortenreinen Originalpackungen gibt, habe ich noch keine gekauft. Mir fiel jedoch auf, dass die "Eigenentwicklung" mit einer maximalen Steighöhe von 60 Metern angegeben ist. Nun, man hätte auch in dem Fall vielleicht besser die Keller-Bomben-Raketen bestellen sollen. Die sind mit 90 Metern angeben und stiegen mit Schweif tatsächlich "immer noch", wenn man schon dachte, sie müssten sich jetzt doch zerlegen. Und was ist wohl beeindruckender an einer Rakete als ihr erhabener, ruhiger, lange andauernder, hoher Goldschweifaufstieg? Gerade darin unterscheiden sich doch Raketen von den Bömbchen, die die Batterien verschießen.

      Nicht ausprobiert habe ich die Bombenrohre und die Feuertöpfe. Während die Bombenrohre leider nur ein Kaliber von 3 cm haben, machte man bei den Feuertöpfen "ordnungsgemäß" den gleichen Fehler wie Weco und spendierte ihnen 5 cm Durchmesser. Das ist unbegreiflich. Ausgebildete, erfahrene Pyrotechniker wissen schließlich genau, dass dieselbe Feuertopffüllung aus einem 30mm-Rohr viel höher, dichter und imposanter aufsteigt als aus einem 50mm-Rohr.
      Aber ich weiß schon: GROSS müssen die Feuerwerkskörper sein!
      Der Kunde ist eh blöd und lernt nie, dass er Luft in Pappe kauft - wie beim "Bigfoot": Der angebliche Vulkan (Katalogbezeichnung!) besteht natürlich nur aus vier Fontänchen, die einzeln so ca. 30 - 40 Ct. wert wären und vielleicht ganz hübsch - sind sie aber nicht, denn vermutlich drei von den vieren beinhalten - na, Sie erraten es schon, Grägglink (Knattersterne) ...

      Auch Tischfeuerwerk lässt Pyro-Art in China fertigen. Die Banderolen dieser Artikel, die ja in erster Linie dekorativen Zwecken dienen sollen, sind nicht hässlich, reißen einen aber auch nicht vom Hocker. Originelle Witzigkeit wie einst von Zaphiroff fehlt. Die Form erinnert stets an die preiswerte der Klopapierinnenrollen aus Pappe.
      So weit, so mäßig, verwunderlich allerdings stimmt der Klassiker "Glückspilz". Wenn das ein eigener Entwurf von Pyro-Art sein soll, warum lässt man ihn dann aussehen wie einen chinesischen Kuli (Lastenträger) mit typischem Hut und eindeutig asiatischen Gesichtszügen? Auf den Gedanken, die Tischbombe solle einen Pilz darstellen, käme keiner, stünde nicht "Pilz" darauf. Und was soll der missverständliche Name "Fun Pilz"? Erstens ist das fälschlich getrennt, zweitens keine Droge auf Pilzbasis und drittens in gemäß Werbepsychologen unbeliebtem Engleutsch-Mixmatsch und darüber hinaus schwierig auszusprechen. Das hätte man mit wenig Aufwand und ohne mehr Geld auszugeben besser machen können.

      Fazit: Zu den Batterien und Bombenrohren kann ich nicht viel sagen.
      Positiv hervorzuheben sind die teilweise vom unsäglichen (und oft noch fehlerüberfrachteten und das Feuerwerksthema verfehlenden) Engleutsch-Gestammel der Konkurrenz abweichenden, teilweise netten und originellen Benennungen der neuen Artikel (z.B. "Drehrumbum") sowie die Einstufung des hübschen Vesuvs "Glanzpunkt" mit der zu großen Hülse in die Klasse ("Kategorie") 1 bzw. F1.
      Negativ bleibt die Bilanz bei den Knallkörpern sowie der Ersatz der qualitativ noch recht guten Keller-Artikel (Bombenraketen, RöLi 20, Vesuv) durch schlechtere.
      Man darf gespannt sein, ob es Pyro-Art gelingt, die Mängel zu beheben und die Lücken beim Angebot von Knallkörpern und Kleinfeuerwerk zu schließen.
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