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Einige Gedanken rund um Silvester 2011, Teil 1

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  • Gilbert
    Wirtschaftlichkeit - nein, Profitgier, regiert das Feuerwerksgeschäft! Immer wieder wird über China-Importe und deutsche Herstellung diskutiert. Dabei werden
    Message 1 of 1 , Mar 7, 2012
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      Wirtschaftlichkeit - nein, Profitgier, regiert das Feuerwerksgeschäft!

      Immer wieder wird über China-Importe und deutsche Herstellung diskutiert.
      Dabei werden wirtschaftliche Gesichtspunkte häufig außer Acht gelassen.
      Man geht von Überlegungen aus, die ich mal als "anständig" bezeichnen möchte. Man könnte sie auch "naiv" nennen.
      So las ich einmal einen Diskussionsbeitrag, in dem zwei ähnliche Batterien verglichen wurden. Die mit Goldeffekt war fast doppelt so teuer wie die bunte. Ein Diskussionsteilnehmer schloss daraus, dass die Herstellung mit Goldeffekten demnach doppelt so teuer sein müsste.
      Das ist in jeder Hinsicht falsch!
      Erstens sind Goldeffekte billiger zu verwirklichen als bunte, da sie aus preiswerter Kohle oder Holzkohle hergestellt werden können, statt aus teuren Metallen bzw. Metallverbindungen wie die bunten Effekte.
      Zweitens bestimmen natürlich nicht die Herstellungskosten den Verkaufspreis, sondern die Nachfrage. Was nachgefragt wird, kann teuer verkauft werden. Was liegen bleibt, wird billiger.

      In der Praxis unseres Silvesterfeuerwerks (und nicht nur dort!) wird das wie folgt gemacht: Die eigene Produktion wird durch billige Importe verdrängt. Gibt es keine einheimische Konkurrenz mehr, werden die Preise angezogen.
      Weco z.B. wirbt mit deutscher Herstellung, stellt aber deutsche Artikel so unnötig schlecht her (z.B. Brigant mit 0,99 Gramm Pulver statt 2 Gramm), dass sie nicht konkurrenzfähig sind und kann dann die Produktionseinstellung "rechtfertigen": Es kauft ja keiner das deutsche Erzeugnis.
      Es geht viel weniger um Herstellungspreise als um Gewinnmargen, und die sind bei Importen höher, da die chinesische Währung nichts wert ist. Man kauft also vielleicht mit 1 € so viel chin. Geld, dass sich die Kaufkraft verzehnfacht oder mehr. Das ist wie früher mit DM und Mark der DDR. Da gab´s mindestens 7 DDR-Mark für eine DM, aber das Kilo Brot hat -,60 DDR-Pfennige gekostet.
      Es gibt viele Beispiele dafür, dass China-Feuerwerk mittlerweile so teuer ist (verkauft wird) wie in Deutschland hergestelltes, man denke nur an die Rölis mit 8 Sternen und Goldregen. Die deutschen RL haben früher DM 4,- gekostet, heute sind´s € 2,- für die chinesischen.
      Auch für 20 chinesische Reibkopfknaller zahlt man in manchen Kaufhallenketten (Netto z.B.) schon € 1,99, also so viel wie für deutsche Brigant und früher für fast alle deutschen Reibzündkracher (-,20 Pfennige/Stück).
      Es geht also um Gewinnmaximierung, nicht um Kostenbegrenzung.

      Ein weiteres Märchen ist das von den "hohen Arbeitskosten".
      Der Anteil der Arbeitskosten an der Herstellung von Erzeugnissen wird ständig reduziert. Maschinen und Rechner erledigen alles von selbst, wofür vor 20, 30 Jahren noch jede Menge Arbeiter, Saisonarbeiter, "Hausfrauen", Studenten usw. gebraucht wurden.
      Auch der chinesische Arbeiter arbeitet nicht, wie uns erzählt wird, für 10 oder 20 Cent in der Stunde. Dann würde er nämlich verhungern. Tatsächlich bezahlt er seine Miete, seine Nahrung, Heizung, Kleidung, sein Moped, das Fernsehen, sein Feuerwerk usw. von seinem Arbeitslohn. Die 10 oder 20 Cent sind lediglich der Wert seines chinesischen Arbeitslohns in Euro, weil keiner für chinesisches Geld mehr Euro bezahlt. Die Kaufkraft seines chinesischen Geldes in China hat damit nichts zu tun. Die dürfte schon bei 5 - 10 Euro Stundenlohn liegen.
      Natürlich werden die chinesischen Erzeugnisse durch die niedrige Bewertung der chin. Währung für die internationalen Importeure (Rheinmetall, Black Cat, Piepenbrock und Buck bzw. Nachfolger) extrem billig. Sie zahlen ja nur "Pfennige", also wenige Cent für Produkte, die in China einen Kaufkraftwert von mehreren Euro haben - und bei uns auch zu diesem Preis verkauft werden.

      Hierzu ein Beispiel: Kurz vor Abschaffung der DM entdeckte ich das billigste, je gesehene, reguläre (kein Ausverkauf o.ä.) Einzelhandelsangebot für China-Kracher (8-er): -,5 Deutsche Pfennige (Ladenpreis)! Daran haben der Einzelhändler, der Großhändler, der Importeur und die Transportfirmen noch verdient. Man kann sich also ausrechnen, was der China-Kracher im Einkauf in China gekostet hat: Einzelhändlerverdienst: -,2 Pfg., Großhändlerverdienst: -,1 Pfg., Importeuerverdienst: -,0,5 Pfge., Transportkosten: -,0,1 Pfg. Es bleiben -,1,4 Pfg, geteilt durch 8 = -,0,175 Pfg. je China-Kracher, gekauft in China. Dafür rollt auch in China niemand einen China-Kracher zusammen. Die 0,175 Pfennige dürften dort schätzungsweise eine mindestens zehnfach höhere KAUFKRAFT besitzen, teilmaschinelle Fertigung der Kracher vorausgesetzt. Bei Handarbeit müsste der Kaufkraftwert noch viel höher sein, um denjenigen, der da rollt, nicht verhungern und erfrieren zu lassen.

      Einen gewissen Enfluss auf die Preise haben die Rohstoffkosten, aber auch deren Einfluss wird gerne weit übertrieben. Nehmen wir mal an, der Papierpreis verdoppele sich von -,40 Ct. auf -,80 Ct. je Kilo. Dann kostet eine kleine Batterie von 200 Gramm Gesamtgewicht mit 50 Gramm Papiergewichtsanteil (der Rest ist Ton/Gips/Kaolin, pyrotechnischer Satz, Draht, Leim und Plaste oder Cellophan) -,2 Ct. mehr als zuvor.
      Das ist auch kein Grund, ihren Preis von -,99 Ct. auf 1,49 zu erhöhen.
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