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VON SILVESTER 2006 - Teil 4

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  • Amü
    SILVESTER UND FEUERWERK IM SPIEGEL DER MEDIEN Erstaunliches vernahm ich erstmals kurz vor Silvester 2005 im Radio, behauptete doch ein Kommentator
    Message 1 of 1 , Jul 11, 2007
      SILVESTER UND FEUERWERK IM SPIEGEL DER MEDIEN

      Erstaunliches vernahm ich erstmals kurz vor Silvester 2005 im Radio,
      behauptete doch ein Kommentator tatsächlich, es gäbe keinen Zusammenhang zwischen Silvesterfeuerwerk und Hunger.
      Wer fordere, statt Feuerwerkskörper zu kaufen, zu spenden, könnte
      ebenso fordern, die WM-Karten zurückzugeben und stattdessen zu spenden.

      Solcherlei Weisheiten hatte ich ja schon seit Jahren propagiert. Nun
      fanden sie Einzug in die Medien.
      Ist es nicht eigenartig, dass solcher Stimmungswechsel eintrat,
      nachdem unsere Familienbetriebe von internationalen Konzernen, Multis bzw. Aktiengesellschaften aufgekauft wurden und diese das Sagen haben?
      Ein Narr, wer Böses dabei denkt?
      Nun, "Wes´ Brot ich ess, des´ Lied ich sing", das gilt für unsere Medien wohl überwiegend auch in unserer gelobten Demokratie mit ihrer Pressefreiheit ...

      So bemerkte ich auch 2006 überrascht, aber auch erfreut, ein
      deutliches Nachlassen der Medienhetze gegen das Silvesterfeuerwerk.
      In den vergangenen Jahren kam man sich ja als Feuerwerker fast schon
      wie ein Verbrecher vor, eine von den Medien herbeigeführte Stimmung, die sicherlich dazu beitrug, dass
      Feuerwerksfreunde An- und Übergriffen ausgesetzt waren.
      Die Feuerwerksfeinde fühlten sich moralisch im Recht. Und wer moralisch im Recht ist, darf bekanntermaßen vermeintlich
      plötzlich alles, was sonst verboten und böse ist: Boykottieren,
      Drohen, Zuschlagen und sogar Kriege führen. Da sich nun meistens alle Seiten moralisch im Recht fühlten, haben wir so eine friedvolle Mesnchheitsgeschichte ;-)

      Das Nachlassen der Medienhetze führte natürlich nicht zu einem
      Nachlassen der Dummheit bei den Berichterstattungen. So hetzte der Berliner Kurier am 30.12.6 gegen Erwerbslose mit
      dem Obertitel: "Berliner Stütze-Empfänger gestehen"
      und der Überschrift:
      "Wir verböllern unsere Hartz-Kohle".
      Der kommentierende Nachsatz zur
      Überschrift lautete:
      "Andere müsen jeden Cent umdrehen, sie hauen es einfach raus ..."

      Das ist Journalismus, Information der Öffentlichkeit, nicht wahr?

      Nein, das ist Hetze. Obendrein ist sie dumm.
      Diejenigen, die "jeden Cent umdrehen", versaufen auch manchen Euro in
      der Kneipe, investieren ihn in I-Pods, Mobiltelefone und sonstig
      Lebensnotwendiges. Das wäre dann wohl in Ordnung - fragt man sich.
      Davon abgesehen enthalten die Hartz-IV-Zahlungen einen geringen
      Anteil, der "die Teilnahme am kulturellen Leben" ermöglichen soll.
      Aha, man soll also ins Theater, ins Kino gehen, auf Ausstellungen
      usw., wie löblich.
      Das aber sind meistens eher Bestandteile der Zivilisation, nicht der
      Kultur.
      Kultur ist tiefgreifender. Sie fängt mit der Sprache an, ist gewachsen
      und an ihre jeweiligen Träger gebunden. Deshalb gibt es eine
      Menschheitszivilisation, aber keine Menschheitskultur: Sie ist niemals einheitlich!
      Zu unserer gewachsenen Kultur gehört unzweifelhaft die Tradition, zu
      Silvester Feuerwerk zu machen, und somit hat der Hartz-IV-Empfänger, der das tut, vielleicht mehr Kultur als derjenige, der Kunst konsumiert.
      Es wäre zumindest das "moralische Recht'" des Hartz-IV-Empfängers,
      sein Kulturbudget übers Jahr anzusparen und zu Silvester zu seiner und anderer Freude in Feuerwerk zu investieren.

      "Experten raten: Nur Böller mit BAM" (falsche Großschreibung nach dem
      Doppelpunkt übernommen), artikelte der Berliner Kurier am 27.12.
      Man erstaunt in Ehrfurcht! Welche Experten mögen dem Kurier wohl zur
      Verfügung gestanden haben?
      Nun, die Antwort lautet schlicht: keine.
      Wenn Medien Experten zitieren, belegen sie das gerne mit Titeln und
      Namen: "Herr Prof. Dr.Dr. ... von der ...-Universität, der Regierungsrat ... vom Bundesamt für ..." usw
      Steht da Experten, heißt es für den Journalismuskundigen, dass
      nachgeplappert oder die Meinung des Schreibenden oder Redakteurs wiedergegeben wird oder die, von der man meint, dass sie ankommt ohne den Leser geistig zu beanspruchen. Ansonsten würden die Experten
      benannt werden!
      Welche Experten sollten das auch sein? Experte zur Beurteilung solcher
      Fragen kann eigentlich nur sein, wer viel Silvestererfahrung hat. Auch diejenigen, die bei der BAM technisch prüfen, sind für die Beurteilung der Güte von Feuerwerkskörpern m.E. nicht unbedingt Experten, da sie andere Maßstäbe anlegen.

      Genau genommen also sind WIR die Experten, und UNS hat man ja nicht
      befragt, oder?

      Wir wissen natürlich, dass die BAM-Segnung Einschränkungen der
      Wirksamkeit von Feuerwerkskörpern bedeutet, die wir gar nicht wollen, die im internationalen wie im geschichtlichen Vergleich unsinnig sind. Schließlich haben Polen keine härtere Haut als wir, was sie "immun" gegen die Gefährlichkeit von Polenböllern machen würde, und schließlich ist ein Schwärmer heute nicht gefährlicher als vor 10 Jahren, als er noch zulässig war.

      Der Kurier-Artikel wird jedoch mit üblicher Panikmache noch weiter
      ausgeführt:
      "Böller-Alarm!", heißt es dort in Fettdruck. Im Hintergrund sind dazu
      Raketen abgebildet ...
      Neben der Darstellung der üblichen Einzelfälle abgerissener Hände wird
      von Todesfällen durch PL-Böllern geredet (von denen ich noch nie gehört habe), natürlich alles ohne Quellenangabe und ohne konkrete Details, so nach dem Motto: "Man hat ja schon mal gehört, was da alles passieren soll".
      Natürlich sind die Polenböller gefährlich, wenn man sie falsch anwendet.
      Das gilt auch für Küchenmesser.
      Der Gipfel des Artikels ist die Androhung von drei Jahren
      Freiheitsstrafe fürs Knallen mit Polenböllern. Diese Behauptung ist grotesk. Sie bezieht sich auf die Höchststrafe bei
      Verstößen gegen das Sprengstoffgesetz, die für viel schwerwiegendere
      Tatbestände gilt, nicht dafür, dass einer knallt.

      Der Dachstuhl des Hauses des Regierenden Bürgermeisters von Berlin
      geriet am Silvesterabend in Brand. Natürlich wussten die Medien, dass
      es ein Böller war.
      Näheres wurde dazu nicht ausgeführt.
      Böller sind böse.
      Sie reißen kleinen Kinder die Hände ab, machen blind und dumm und
      schwängern kleine Mädchen.
      Eine Batterie ist dagegen völlig ungefährlich.
      Ich sprang übrigens nicht nur dieses Silvester über die Straße in die
      Deckung von Autos oder Hauseingängen, weil ordnungsgemäß aufgestellte Batterien mich unter Feuer nahmen.
      Mal nachgedacht: Ein Böller wird mit seiner Sekundenbruchteile
      dauernden Explosion wohl kaum einen Dachstuhl in Brand setzen. Der besteht ja nicht aus Pulver.
      Davon abgesehen fragt man sich, wie er überhaupt in den Dachstuhl gelangen konnte.
      Wahrscheinlicher ist es wohl, dass sich eine Rakete verfangen hat oder
      ein Bömbchen aus einer Batterie dort eingeschlagen ist und seine Ladung entfaltet hat.
      Wenn nun noch Brandbeschleuniger auf dem Dachstuhl lagern, z.B. loses
      Zeitungspapier, kann schon etwas passieren. Vorstellbar wäre auch, dass ein verklemmter Heuler, eine Leuchtkugel oder eine
      Ratterpatrone, also pyrotechnische Munition, aus einer Pistole
      verschossen, die Brandursache gesetzt hätten. Die Böller-Version ist aber ziemlich unwahrscheinlich.
      Doch ausgerechnet gegen die harmlosesten (und billigsten, seltsam, nicht?) Feuerwerkskörper, die nun wirklich Spaß machen, statt uns zu bloßen Konsumenten und Zuschauern zu reduzieren, wird noch
      am meisten gehetzt.

      Bemerkenswert war auch die Anti-Feuerwerkspropaganda der Berliner
      Feuerwehr.
      Auf einem Plakat behauptete sie, jährlich würden sich in Berlin
      ungefähr 500 Menschen an Böllern verletzen.
      Das Plakat hatte mir ein Freund besorgt. Ich hängte es zur Freude
      meiner Nachbarn an die Wohnungstür; die Zahl "500" hatte ich, um die Absurdität herauszustellen, mit schwarzem
      Filzstift zu "50000" geändert - mehr als nach einem 1000-Bomber-Angriff 1945 ...
      Der Berliner Tagesspiegel wusste übrigens am 2.1.7 von "ca. 500
      Verletzten in der
      Silvesternacht" zu berichten, davon rund 30 durch Feuerwerk.
      Rein statistisch betrachtet müsste man den 470 sonstigen Verletzten
      doch eigentlich raten, lieber Feuerwerk zu machen, als betrunken mit
      Autos gegen unschuldige Bäume zu fahren, sich gegenseitig auf die
      Nasen zu schlagen, beim silvesterlichen Renovieren von der Leiter zu
      fallen oder sich, wie in der Verwandschaft einst tatsächlich
      geschehen, einen Sektkorken ins Auge zu schießen (!). 470 zu 30 - da
      sind andere Aktivitäten offensichtlich gefährlicher als Feuerwerk!
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