Loading ...
Sorry, an error occurred while loading the content.

VON SILVESTER 2006, Teil 3

Expand Messages
  • Amü
    VORFREUDEN Noch einmal möchte ich auf die erwartungsvolle Zeit vor Silvester zurückkommen. Wie schon in Teil 1 erwähnt, waren schon bei einem
    Message 1 of 1 , May 6, 2007
    • 0 Attachment
      VORFREUDEN

      Noch einmal möchte ich auf die erwartungsvolle Zeit vor Silvester
      zurückkommen.
      Wie schon in Teil 1 erwähnt, waren schon bei einem
      Weihnachtsmarktbesuch deutliche Vorzeichen von Silvester zu bemerken.
      Doch schon seit Ende November vernahm ich öfter mal einen Knall oder
      sogar eine Folge von Knallen, und ich hatte das Gefühl, 2006 mehr und häufiger so etwas zu hören als in den Jahren davor.
      Es ist wohl so, dass viele zu Beginn der Adventszeit ihre
      "Jahresendkisten" hervorkramen und beim Auspacken von Weihnachts- und Adventsschmuck auch übriggebliebene Feuerwerkskörper
      entdecken, die sie nach Neujahr oder nach dem Beseitigen des Schmucks
      der Winterfeste eben auch "fürs nächste Jahr" weggeräumt hatten.
      Der feuerwerksfreundlichen Stimmung besonders zuträglich war wohl der
      Umstand, dass Silvester auf einen Sonntag fiel. Dadurch gewann man Zeit!
      So hörte es sich in meinem bürgerlichen Wohnviertel am Abend des
      30.12, dem Sonnabend, schon an, wie in machen Jahren am frühen Abend des Silvestertages. Selten habe ich es erlebt, dass so viel "außerhalb der Zeit" geknallt wurde. Zuletzt war das vielleicht in den frühen
      70-er Jahren so.

      IN DEN LÄDEN

      Wieder hatte ich das Vergnügen, einem Feuerwerksfreund unentgeltlich
      und spontan für wenige Stunden in seinem Laden aushelfen zu können - in Fron also sozusagen ;-)
      Was man dort erlebt hat, ist fast einen eigenen Bericht wert. Man
      merkte den Kunden schon an, ob sie nur irgendwelche Feuerwerkskörper haben wollten, um zu Silvester einen kleinen
      Feuerwerksbeitrag zu leisten, oder ob man es mit Kennern und
      Spezialisten zu tun hatte.
      Da gab es sowohl "Batterien-Professoren" wie Traditionalisten, die
      gezielt Reibkopfkracher, Schwärmer bzw. Goldregenknaller, Kanonenschläge und Raketen aus deutscher Produktion erwerben wollten. Mit letzteren kam ich natürlich gut ins Gespräch.
      Jedenfalls konnte ich beim Ladenverkauf eine allgemeine Begeisterung
      für Feuerwerk verspüren, wie ich sie in den Vorjahren oftmals vermisst hatte. Auch fremde Läden waren voll; ich musste fast immer warten, bis ich bedient werden konnte.
      Dadurch hatte ich natürlich Zeit, mich genau umzusehen.
      Viel Besonderes war aber nicht zu finden. Die Angebote glichen sich,
      auch wenn die Batterien immer anders hießen und andere Banderolen trugen. Am schlimmsten war das in den Läden, die
      Pyro-Partner-Ware, also Nico, verkauften.
      Der Anblick der Batterien und Raketensortimente von hässlichster Gestaltung, sozusagen über und über aufdringlich beschmiert, hing mir bald zum Halse heraus. Auch die stets englische Benennung in idiotischen Superlativen, die auch für Seifen, Waschpulver oder Schlager-Schallplatten hätte gelten können, förderte nicht gerade meine Vorfreude.

      Was, bitte, soll denn "Funky Town" mit Feuerwerk zu tun haben, was
      sind "Hot Shots" - und, gibt es auch kalte? - ist "Fire Mission" nicht vielleicht der Titel eines B-Videos, worin ist jemand "World Champion", ist "Power Box" nun ein Stereoverstärker, ein
      Waschmittelkonzentrat, ein Eiweiß-Präparat für Schwerathleten, ein Set
      zur PS-Verstärkung von Automotoren oder gar doch eine Hundertschussbatterie, und warum nicht mehr springende
      Knallfrösche plötzlich "Jumping Frogs" heißen, wissen wahrscheinlich
      auch nur die fantasielosen Mitarbeiter der beauftragten Werbeagenturen, die solchen Mist verzapfen und dafür noch teuer bezahlt werden.

      Da gelobe ich mir in alten Listen zu findende Feuerwerkskörperbenennungen wie
      "Kornblumenfontäne", "Handröhre", "Excelsior-Blitzschlag",
      "Weinbergböller", "Versatz-Rakete", aber auch "Taifun",
      "Peng Blizzard" oder "Goldfeder".
      Mit solchen Benennungen kann ich etwas anfangen, sie beleben meine
      Vorstellungswelt und lassen mich manchmal schmunzeln. "Super-Hyper-Ultra-Strunz" widert doch nur noch an!

      Doch zurück zu den Höhepunkten des Ladenverkaufs:
      Was soll man von einem Kunden denken, der 25 chinesische Silbersonnen
      kauft und den dezenten Hinweis auf die überlegene Qualität der natürlich wesentlich teureren deutschen Sonnen überhört? Was hatte der bloß mit den Sonnen vor?
      Amüsant war auch eine Dame, die mich mit folgender Frage verblüffte:
      "Haben Sie nicht so etwas ohne mit Feuer und was nicht so knallt?"
      Na ja, so etwas hatten wir natürlich: Luftschlangen, Konfettiwerfer,
      Knallbonbons (die ja nun wirklich nicht "knallen") und die bei Angetrunkenen beliebten Luftrüssel: "Schnöörrz!"
      Sie nahm dann noch, trotz des Feuers, reichlich Wunderkerzen und
      Zimmerfontänen mit - jedem das Seine!
      Der Höhepunkt war für mich die Frage eines zwar begeisterten, aber
      offensichtlich völlig feuerwerksunerfahrenen Neukunden. Er beugte sich
      über die Vitrine und fragte aufgeregt:
      "Was ist das denn - JESUS?" Freundlich hob allgemeines Gelächter von
      Kunden und Verkäufern an. Er hatte die etwas schlecht lesbare Bezeichnung eines liegenden VESUVs falsch abgelesen bzw. interpretiert. Grinsen ließ auch der Wunsch nach "Goldfilterraketen". Da hatte jemand wohl Kaffee im Kopf!
      Nachdenklich werden ließ uns ein Kunde, der fiebrig aufgeregt ungefähr
      dreißig (!) teure Bengalische Zylinderflammen erwarb, obwohl wir ihn, als ehrliche Händler, die wir sind, mehrfach darauf hinwiesen, dass es eben keine "Bengalböller" wären.
      Zu späteren Verkaufszeiten, am den Nachmittagen des 29. und 30.12.,
      waren minutenlang auch
      einmal keine Kunden im Laden. Wir gingen dann hinaus und brannten ein
      paar Klasse-I-Artikel ab. Das erwies sich als gute Werbung. Der Laden füllte sich dann schnell wieder mit Passanten, die sich an den Effekten begeistert hatten.
      Am Silvestersonntag waren wir noch zu Aufräumungsarbeiten im Laden.
      Vor dem Laden türmten sich bald die Überreste von Fontänen, Vulkanen und ähnlichen Artikeln ohne Knalleffekte, die wir ja schon zünden durften. Es kamen auch noch viele Bekannte bzw. Besteller vorbei,
      denen wir noch Feuerwerkskörper überlassen durften. Der Verkauf an
      jedermann war ja Sonntags verboten.

      *
    Your message has been successfully submitted and would be delivered to recipients shortly.