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Von Silvester 2006

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  • Gilbert von Luck
    Sehr geehrte Feuerwerksfreunde! Da mein persönlicher Silvesterbericht dieses Mal recht lang und sehr umfassend wird, werde ich ihn in mehreren Teilen
    Message 1 of 1 , Mar 9, 2007
    • 0 Attachment
      Sehr geehrte Feuerwerksfreunde!

      Da mein persönlicher Silvesterbericht dieses Mal recht lang und sehr
      umfassend wird, werde ich ihn in mehreren Teilen veröffentlichen.

      Sicherheitshalber weise ich darauf hin, dass jede Meinungsäußerung
      natürlich nur persönlicher Natur ist und meine eigenen Meinung, nicht
      etwa eine Gruppenmeinung, wiedergibt.

      *

      VON SILVESTER 2006
      Teil 1

      Spätestens am 1. Weihnachtsfeiertag 2006 packte mich wieder der
      alljährliche Enthusiasmus.
      Beim einem Weihnachtsmarktbesuch brannte ein Freund ein paar Klasse
      1-Artikel ab, und plötzlich hörten wir vom anderen Ende des Marktes
      Knallkörperexplosionen.
      Wir schlenderten dorthin und sahen noch einen Böller zerplatzen.
      Neugierig geworden begaben wir uns auf die Suche nach Überresten. Ich
      hatte China-Böller B vermutet, was wir aber fanden, waren die
      Überreste, fast das halbe hintere, ansonsten unbeschädigte Ende, eines
      China-Böllers F (Super-Böller II).
      Das warf wieder ein bezeichnendes Schlaglicht auf die Qualität der
      größten China-Böller, die weder ihren Preis, noch die Schlepperei der
      schweren Umpacks wert sind.
      So erwiesen sich auch in der Silvesternacht bei mir die China-Böller C
      und D als die lautesten. Die C-Böller wären gewiss lauter gewesen,
      hätte ich meine D-Böller, noch Vorjahresware, nicht bereits im
      November auf die Heizung gestellt.
      In der Silvesternacht lagen sie angenehm warm in der Hand; sie waren
      richtig durchgewärmt und hielten diese Wärme auch einige Zeit nach
      ihrer Entnahme beim Umhertragen zum Verbrauch.
      Das vorgewärmte Pulver reagiert schneller. Meine D-Böller erweckten in
      ihrer Art, sich zu Fetzen zu zerlegen, eine angenehme Erinnerung an
      deren Qualität aus den 80-er Jahren.
      Auf die Idee des Erwärmens bin ich schon vor Jahren gekommen, nachdem
      ich gelesen hatte, dass bei der schweren Artillerie die Kartusch- und
      Pulvertemperaturen gemessen werden, um die genaue Schussweite zu
      berechnen. Gefährlich ist das nicht, da die Heizkörper wohl kaum
      über 50 Grad warm werden, während die Entzündungstemperatur von
      Schwarzpulver wohl bei etwa 300 Grad C liegt.

      So konnte die Silvesternacht also beginnen.
      Unten waren Freunde schon mit knallarmem Leuchtfeuerwerk am Wirken,
      und punkt 18 Uhr warf ich ein paar Knaller vom Balkon. Danach ging ich
      runter und erfreute mich an Harzern und Comet-Knallern. Letztere waren
      lauter - was mich nachdenklich machte.
      Warum waren die Harzer so leise? Gut, mir ging es um den Spaß, daher
      nahm ich den eigentlich zu leisen Knall in Kauf. Aber sowohl die
      Comet-Knaller wie die Harzer Pfau-Knaller von Nico (die ohne Schweif)
      bewiesen, dass es möglich ist, Kracher dieses Formats so herzustellen,
      dass nicht nur der Spaß am Anreiben und Wegwerfen, also dem ganzen
      Prozess des Feuerwerkselbermachens, sondern auch der Effekt befriedigt.
      Ich wage zu behaupten, dass Methode dahinter steckt: Deutsches
      Feuerwerk soll schlecht gemacht werden.
      Nach Silvester bestätigte sich dann mein Verdacht, als ich erfuhr,
      dass Nico die Harzer-Maschine bereits im Herbst zerlegt hatte. 2006
      also trennte sich Nico von seinem letzten deutschen Kracher.

      Die "Bild" schrieb dann auch am 29. Dezember: China-Konkurrenz killt
      den Harzer Knaller - was eine glatte Falschmeldung bzw. zumindest
      unreflektiert und unrecherchiert ist.
      Nicht die China-Konkurrenz schaltet unsere Feuerwerksproduktion aus,
      sondern eine Politik, die trotz der sich angeblich so abschottenden EU
      nicht imstande ist, Einfuhrzölle zu verhängen, die einen gerechten
      Inlandspreis für die Importe herbeiführen würden, der den Ausfall an
      Sozialeinnahmen, Steuereinnahmen und mangelnde ökologische Rücksichten
      ausgleicht.
      Man könnte sogar behaupten: "Nico killt den Harzer Knaller", denn es
      ist ja schlicht erlogen, dass er nicht konkurrenzfähig wäre - selbst
      bei den niedrigen Preisen für China-Kracher und -Böller.
      Eine konzernabhängige Kaufhallenkette wie Plus hätte den Harzer nicht
      ins Angebot genommen, wenn sie daran nicht verdient hätte. Und auch in
      den Läden, die ich reichlich aufsuchte, waren die Harzer bei Preisen
      von -,99 Ct. (schnell ausverkauft) bis 2,50 am Mittag des
      30.12. vergriffen.
      Es ist m.E. einfach so, dass Nico (Rheinmetall-Konzern, nicht mehr
      Familienbetrieb) an importiertem Feuerwerk MEHR verdient als an hier
      produziertem. An den Harzern hat man vielleicht 50% verdient - an
      Importen 400. Das ist nicht absurd. Da die chinesische Währung
      auf dem Weltmarkt keinen Wert hat und schätzungsweise für 5 bis 10%
      ihrer Inlandskaufkraft in China gehandelt wird, kosten die dort
      produzierten Feuerwerkskörpern in Euro- und Dollarn bezahlenden
      Käufern fast nichts.
      Da nun der zugleich der deutsche Markt ziemlich "gedeckelt" ist -
      d.h., es werden meinetwegen jährlich ungefähr 150 Millionen Euro für
      Silvesterfeuerwerk ausgegeben, wird ein Konzern bemüht sein, für seine
      Aktionäre innerhalb dieses Umsatzvolumens einen höheren Gewinnanteil
      zu erzielen - und das schafft er eben durch Billigimport.
      Was kümmern den Konzern Qualität, Tradition und Kultur, solange er
      verdient?

      Man kann davon ausgehen, dass die Konzerne ihre Gewinnspanne erhöhen
      werden, wenn die letzte deutsche Konkurrenz ausgeschaltet ist. Dann
      wird chinesisches Feuerwerk erheblich teurer werden. In vielen anderen
      Produktbreichen ist so etwas schon geschehen.

      So bleibt uns nur zu hoffen, dass die noch bestehenden
      mittelständischen oder Familienbetriebe (Ofi und Zink) erstens guten
      Übernahmeangeboten der Konzerne widerstehen und zweitens der
      beabsichtigten Konzernstrategie einen Strich durch die Rechnung
      machen, indem sie ihr Angebot erweitern.

      Vom Hörensagen her gibt es bei PULVERFISCHER (Ofi) Alters- und
      Nachfolgeprobleme.

      ZINK will angeblich die gemäß unserer Abstimmung schönste Klasse
      2-Rakete, die Comet-Rakete, einstellen, was auch nicht nötig wäre. Sie
      soll sich angeblich nicht rechnen.
      Ja, dann muss sie eben teurer werden! Außerdem könnte man durch eine
      Umgestaltung der Banderole unter Verzicht auf die teuren Metallfarben
      oder gar durch eine "Blindrakete" ohne Banderole (Gebrauchsanweisung
      auf der kleinsten Verkaufsverpackung genügt) etwas eingesparen.
      Ich will auch hier eine Behauptung aufstellen: Raketen mit
      Füllungshülsen lassen sich einfach teurer verkaufen, und daher lässt
      sich mehr an ihnen verdienen.

      Das muss aber nicht immer so bleiben. Die Sache mit der "Luft in
      leeren Hülsen" in den enorm großen Raketen, die sogar zu schwer sind,
      um hoch aufzusteigen, spricht sich immer weiter herum.
      Immer mehr Feuerwerkskunden richten ihr Augenmerk auf die eher
      unauffälligen Produkte oftmals überraschender Wirkung. Das habe ich in
      verschiedenen Läden (auch bei eigener Verkaufsaushilfe) beobachten können.
      Vielleicht trägt unsere Aufklärungsarbeit sogar zu dieser Entwicklung bei!

      Hoffnung machte mir ein Gerücht über die Firma ABA.
      Dieser Hersteller von PT-Munition, der Anfang der 90-er Jahre schon
      einmal eine kleine, völlig unbekannte Raketenserie anbot, soll von
      einem Pyrotechniker mit sehr eigenen Vorstellungen gekauft worden sein.
      Ich glaube schon, dass sich heutzutage die womöglich recht teure
      Produktion kleiner Serien von Krachern, Petarden, Gold- und
      Silberregen-Knallern (Schwärmer dürfen´s ja nicht mehr sein),
      Handfontänen nach DDR-Vorbild bzw. wie der Nico-Perlfontäne u.ä.,
      guten Römischen Lichtern mit Goldregen oder Fontänen, Standgeräten
      sowie hübsch aussehender, gewürgter Kanonenschläge wieder lohnen
      würde. Viele suchen danach und sind auch bereit, mehr dafür zu
      bezahlen als für die oftmals allzu lieblos gestalteten chinesischen
      Stücke. Natürlich würde man sie nicht umpackweise einkaufen, aber es
      würde ja genügen, wenn viele Silvesterfeuerwerker einige Stücke davon
      als etwas Besonderes erwerben.

      Von der Firma WECO weiß ich nicht, ob sie noch in mittelständischem
      Besitz ist.
      Es sollen 2007 angeblich einige neue Artikel in Deutschland gefertigt
      und angeboten werden!

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