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Mehr Spass zu Silverster und weniger Verletzte?

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  • Julius
    Mehr Spass zu Silvester und weniger Verletzte? Jedes Jahr stelle ich erneut fest, wie schnell die Silvesterzeit wieder vorbei ist. Dann heißt es wieder: ein
    Message 1 of 1 , Dec 1, 2004
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      Mehr Spass zu Silvester und weniger Verletzte?


      Jedes Jahr stelle ich erneut fest, wie schnell die Silvesterzeit
      wieder vorbei ist. Dann heißt es wieder: ein Jahr warten!
      Wenn man sich das mal genau überlegt, bleiben einem für den richtigen
      Silvesterspaß wirklich nur wenige Stunden.
      So habe ich gehört, dass es in einigen Großstädten nur von 18 bis
      1.00 Uhr nachts erlaubt sein soll Feuerwerk abzubrennen. Bei uns in
      Berlin ist es, man möchte meinen - Gott sei Dank - sogar bis 7.00 Uhr
      morgens erlaubt. Ist das wirklich so? Warum gibt es so viele
      regionale Unterschiede?
      Das liegt daran, dass die Gemeinden und Städte selbst festlegen
      können, in welchem Zeitraum es erlaubt ist, Feuerwerk zu zünden. Ein
      Umstand, auf den man scheinbar keinen Einfluß hat und dem man sich
      wohl fügen muss. So bleibt es weiterhin in Hamburg beim Zapfenstreich
      um 1.00 Uhr nachts und in Berlin um 7.00 Uhr morgens.
      Nun fragte ich mich schon oft, wieso es angeblich so viele Verletzte,
      bzw. so viele Unfälle zu Silvester gibt. Dabei ist die Antwort doch
      ganz offensichtlich. Viele, die sich auf diesen Tag so freuen wie
      ich, können es doch kaum erwarten, bis es soweit ist. Die Energie
      staute sich. In dem Wissen, dass die Zeit schneller vorbei sein wird
      als man glauben mag, versucht man natürlich soviel wie möglich zu
      erleben. Gerade durch den Zeitmangel kommt es zu Stress und alles
      scheint sich zu überschlagen. Etwas zu genießen und in Ruhe
      abzubrennen scheint gar nicht möglich. Es dürfte wohl jeder
      verstehen, dass diese Faktoren die Verletzungsgefahr und das
      Unfallrisiko stark erhöhen.
      In vielen Nachbarländern, in denen das Abbrennen von Feuerwerk das
      ganze Jahr über erlaubt ist und wo die Feuerwerkskörper teilweise
      sehr viel explosiver sind als hier in Deutschland, lässt sich
      beobachten, dass zu Silvester sehr viel weniger los ist. Das mag den
      Einen oder Anderen in Erstaunen versetzen. Doch unsere Mitmenschen
      aus den Nachbarländern haben nicht die Notwendigkeit alles das, was
      ihnen so viel Freude bereitet, in wenigen Stunden schaffen zu müssen.
      Folglich gibt es dort auch viel weniger Unfallpotential, trotz der
      vermeintlich explosiveren Pyrotechnik. So glaube ich, dass die
      jährlichen Zahlen über Verletzte an Silvester stark zurückgehen
      würden, wenn man uns Freunden des Feuerwerks mehr Raum geben würde,
      unser Hobby auszuleben.

      Davon abgesehen halte ich die Zahlen über Verletzte zu Silvester für
      nicht repräsentativ. Ich möchte hier keinesfalls die wertgeschätzte
      Arbeit der Medien anzweifeln, aber es ist fraglich, ob Menschen, die
      an diesem Tage zu Schaden gekommen sind, sich auch wirklich
      ausschließlich durch den Umgang mit Feuerwerk verletzt haben.
      Schließlich verletzen sich auch an jedem anderen Tag des Jahres
      hunderte Menschen, ohne je mit Feuerwerk in Berührung gekommen zu
      sein. So werden jedes Jahr nach Neujahr die gleichen Stimmen laut,
      die danach schreien, Abbrennmöglichkeiten für Feuerwerk zu Silvester
      noch weiter einzuschränken, um damit vermeintlich weniger Verletzte
      zu beklagen. Ich halte dies für einen Trugschluss und behaupte, dass
      es einen gegenteiligen Effekt erzielen würde. Dagegen könnte man mit
      mehr Zeit, Ruhe und Besonnenheit viele Verletzungen vermeiden .

      Dieser Gedanke quälte mich schon seit geraumer Zeit und jedes Jahr
      stieß ich erneut auf mein Unverständnis. So auch vor 2 Jahren, wo es
      mich bereits am frühen Mittag des 31.12. bewegte, einen
      Reibkopfknaller vom Balkon zu schmeißen und mich des Klanges
      hinzugeben. Wem ging es nicht auch schon so, dass er schon an den
      Tagen zuvor mal das Eine oder Andere ausprobierte. Seinerzeit wurde
      ich von einem neuen Bekannten über etwas für mich sehr Interessantes
      informiert: Jener Bekannte wusste zu berichten, dass die
      Einschränkungen der Abbrennzeiten zwar von den jeweiligen Gemeinden
      und Städten festgelegt werden dürfen, was sich aber lediglich auf
      Feuerwerkskörper mit ausschließlicher Knallwirkung bezieht.
      Was sagte mir das jetzt? Er fuhr fort, dass das Abbrennen von
      Feuerwerk zu Silvester schon ein lang bestehendes Gesetz sei, das
      sich so einfach nicht aufheben ließe. Man könne nur gewisse
      Einschränkungen vornehmen. Tatsächlich ist es so, dass das Abbrennen
      von Feuerwerk mit Schlag 0.00 Uhr des 31.12. erlaubt ist und erst
      wieder am 01.01. 24.00 Uhr endet.
      Das heisst, dass es gesetzlich erlaubt ist 48 Stunden lang Feuerwerk
      der Klasse 2 abzubrennen, unabhängig von Bestimmungen und
      Konventionen einzelner Städte oder Gemeinden. (Ausgenommen sind
      Regionen, in denen aufgrund von Reetdächern das Abbrennen von
      Feuerwerk insgesamt verboten ist.)
      So bezieht sich die Einschränkung 18 bis 7.00 Uhr (für Berlin) nur
      auf Feuerwerkskörper mit ausschließlicher Knallwirkung wie z.B.
      Böller, Knaller, Knallraketen(?), Kanonenschläge oder ähnlichem.
      Feuerwerk mit optischen Effekten dagegen, sind während dieser 48
      Stunden durchgängig erlaubt. Dazu gehören Raketen, Vulkane, Fontänen,
      Römische Lichter und Verbundfeuerwerk mit nicht allzu starker
      Zerlegung.


      Hierzu ein Auszug aus einem Polizeihandbuch der Berliner Polizei, das
      ich mir im Zuge dessen besorgte, um mein Tun zu rechtfertigen, wenn
      ich bereits in der Nacht vom 30.12. zum 31.12. mit meinem
      Feuerwerksspass beginne:

      """ Verwenden pyrotechnischer Gegenstände der Klassen I und II

      (1) Pyrotechnische Gegenstände der Klasse I dürfen während des
      ganzen Jahres - auch von Personen unter 18 Jahren - verwendet
      (abgebrannt) werden.

      (2) Pyrotechnische Gegenstände der Klasse II dürfen gemäß § 23
      Abs. 1.1. SprengV in der Zeit vom 02.Januar bis zum 30. Dezember
      nicht verwendet (abgebrannt) werden. Erlaubt ist somit das Abbrennen
      am 31. Dezember ab 00.00 Uhr und am 01. Januar bis 24.00 Uhr jedoch
      nur soweit es sich um Feuerwerkskörper ohne Knallwirkung handelt und
      soweit das Abbrennen nicht als grob ungehörige Handlung im Sinne von
      § 118 Abs. 1 OwiG anzusehen ist.

      (3) Die Verwendung pyrotechnischer Gegenstände der Klasse II mit
      ausschließlicher Knallwirkung (z.B. Kanonenschläge) ist nur in
      der "Silvesternacht" (31.Dezember ab 18.00 Uhr, 01 Januar bis 7.00
      Uhr) gestattet. Die Verwendung pyrotechnischer Gegenstände der Klasse
      II mit ausschließlicher Knallwirkung außerhalb der "Silvesternacht"
      wird alljährlich durch eine sprengstoffrechtliche Anordnung
      (Allgemeinverfügung) nach § 24 Abs. 2 Nr. 2.1. SprengV verboten, die
      vor dem jeweiligen Jahreswechsel im Amtsblatt für Berlin bekannt
      gemacht wird.

      (4) Personen bis zum vollendeten 18. Lebensjahr dürfen
      pyrotechnische Gegenstände der Klasse II auch nicht am 31. Dezember
      und am 01. Januar abbrennen (§ 23 Abs. 1 Satz 2.1. SprengV)"""


      Als ich von der tatsächlichen Gesetzeslage erfuhr, veränderte sich
      mein Gefühl für Silvester schlagartig. Noch zum gleichen
      Jahreswechsel traf ich mich mit jenem Bekannten und anderen Freunden
      am Abend des 1.Januar zu einem fantastischen Leuchtfeuerwerk. So viel
      Zeit und Ruhe hätte ich mir vorher nie vorstellen können! Selbst
      Filmaufnahmen machten mir Spaß, wozu ich sonst nie Zeit gefunden
      hätte. Es ist letztlich nicht sehr überraschend, dass Medien zum
      Instrument der Politik wurden und uns Bürgern stets suggerierten,
      dass der Abbrand von Silvesterfeuerwerk ausschließlich in den
      genannten Zeiten erlaubt sei. Im Jahr 2003 plante ich mein Feuerwerk
      nun ganz anders und völlig frei von Stress. Natürlich hatte man immer
      noch zu wenig Zeit, aber es kam für mich ein Hauch von zusätzlichem
      Genuss zum Ausdruck, den ich all die Jahre zuvor noch stark
      vermisste. Ich teilte mein Feuerwerk auf: ein Drittel für die Nacht
      vom 30. zum 31., ein Weiteres für die Silvesternacht und den dritten
      Teil für den Abend des 1. Januar. Am 30.12.03 besuchte ich dann ein
      schon lang ersehntes Konzert, welches um 20.00 Uhr beginnen sollte.
      Im Kofferraum hatte ich bereits mein Feuerwerks. Das Konzert war
      spitze, die Vorfreude auf 0.00 Uhr begleitete mich schon den ganzen
      Tag und ließ alles viel intensiver auf mich wirken. Nach einigen
      Zugaben auf dem Konzert kam ich erst gegen 1.00 Uhr aus der
      Veranstaltung und wollte nun nichts mehr von der doch gerade neu
      gewonnenen Zeit verlieren. 20 Minuten später traf ich mich mit einem
      Freund, dem ich zuvor begeistert von der Entdeckung dieser
      Gesetzgebung berichtete und der sich mir daraufhin sofort anschloss
      und mit mir bis früh in den Morgen das Silvesterfest gebührend
      einläutete.


      Ich hoffe mit diesen Zeilen dem Einen oder Anderen eine interessante
      Perspektive und Hilfe geboten zu haben, denn auch ich freue mich über
      weniger Verletzte zu Silvester. Einen Nachteil hat das Ganze
      natürlich, ich musste viel mehr Geld für viel mehr Feuerwerk
      ausgeben.

      In diesem Sinne


      Der Radkurier
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