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Herbstgedanken

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  • Gilbert von Luck
    Eigentlich liebe ich den Herbst. Ich freue mich auf ihn, wie auch auf andere Jahreszeiten mit ihren Besonderheiten des Wetters und des Lebens in der Natur.
    Message 1 of 1 , Nov 13, 2004
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      Eigentlich liebe ich den Herbst. Ich freue mich auf ihn, wie auch auf
      andere Jahreszeiten mit ihren Besonderheiten des Wetters und des
      Lebens in der Natur. Jeweils vermag ich etwas Besonderes zu
      entdecken, und jedes Mal ist meine Vorfreude auf die Jahreszeit eine
      andere, aber dennoch eben Freude. Immer wieder entdecke ich dann in
      der jeweiligen Jahreszeit die Dinge, an denen ich mich erfreue und
      die mein Herz erfüllen.
      Vielleicht ist es die Eigenart der Liebe, jedes Mal, jeden und alles
      etwas anders zu lieben. Dennoch bleibt es Liebe.
      Auch Melancholisches ist mir eigen, das der Herbst als Stimmung so
      gut vermittelt.
      Doch sehe ich im Herbst auch den neuen Aufbruch.
      In alter, heidnischer Zeit wurde zu Samhain
      (2. Vollmond nach der Herbsttagundnachtgleiche, christlich als
      Halloween oder Allerseelen pauschal auf den 1.11. bzw. die Nacht zum
      1.11. verlegt)
      das Sterben des alten Jahres gefeiert - aber als Schluss des
      Lebenskreislaufes: Es ist zugleich die Nacht der Zeugung des neuen
      Jahreskindes, das zum Frühlingsbeginn, Imbolc, am Vollmond nach dem
      ersten Neumond nach den 12 Rauhnächten der Wintersonnenwende, zur
      Welt kommt, geboren wird.

      Im Winter schlafend liegt die Natur im Zeitraum zwischen Samhain und
      Imbolc danieder.

      Doch selbst im Schlafe besitzt sie ihren eigenen Reiz:
      Ich denke an Zweige, auf denen sich manchmal zentimeterdicke
      Raureifkristalle gebildet haben, eine Landschaft aus Bäumen oder
      Sträuchern wie ein kristallener Märchenwald.
      Ich denke an Knospen, die ich unter dem Reif entdecke. Sie lassen
      Vorfreude auf das Wiedererwachen des Lebens entstehen, aber ich denke
      auch an einen dichten Teppich aus hohem Schnee, an die Stille, die er
      mit sich bringt, den eigenartigen, gedämpften Klang aller Geräusche
      in einer Schneelandschaft, sogar an das gedämpfte Scharren eines
      Schneeschiebers, mit dem ein Hauswart den Gehweg räumt. Und ich
      erinnere, während ich das gerade schreibe, den sanften Biss klarer,
      frostiger, trockener Winterluft über einer dichten Schneefläche in
      der Nase.

      Doch zurück zum Herbst und zu Samhain!
      In der Tat hatten wir in den letzten Jahren jeweils zu Samhain
      Winterbeginn, egal ob Samhain in der Mitte des Oktobers oder Mitte
      November lag: Das Eichenlaub hatte sich braun gefärbt und war
      trocken. Alles war darauf vorbereitet, auf sein Wiedergeborenwerden
      zu warten. Entsprechendes geschah zu Imbolc: Ob es Mitte/Ende Januar
      oder Mitte Februar war, stets entdeckte ich gerade dann die ersten
      Schneeglöckchen.

      Berlin jagt in diesem Herbst wieder die Roßkastanienminiermotte: Sie
      macht sich ausschließlich über die Roßkastanie her. Wie die meisten
      pflanzenfressenden Insekten ist sie monophag, frisst also nur eine
      Pflanzenart. Da die Roßkastanie eigentlich ein Florenfremdling ist,
      musste so etwas irgendwann geschehen. Sie ist nicht vollständig in
      den ökologischen Kreislauf unserer Heimat integriert. In ihren
      Herkunftsländern ist die Miniermotte keine Gefahr für die
      Roßkastanien, da sie von speziellen Fraßfeinden reduziert wird, also
      von Insekten wie vielleicht Schlupfwespen, die ihrerseits nur die
      Miniermotte fressen und sich ggf. mit deren Beständen vermehren und
      sie reduzieren.
      Berlin ruft deshalb dazu auf, das Roßkastanienlaub zu fegen und es
      bei der Stadtreinigung abzugeben. Die Stadtreinigung lässt das Laub,
      in dem sich die Puppen und Larven der Miniermotten befinden,
      verbrennen. Hoffentlich geschieht das wenigstens in Kraftwerken!
      Es sollte aber unbedingt ausschließlich das Roßkastanienlaub
      zusammengefegt und verbrannt werden!
      Leider beobachtet man allenthalben die "Fachkräfte" beim Auskratzen
      jeglichen Laubes in Grünanlagen, auf ansonsten
      bewuchsfrei "gepflegten" Flächen oder zwischen Gebüsch. Das ist enorm
      schädlich, da es die Rohkompost- und somit irgendwann die ganze
      Humusschicht beseitigt. Das Erdreich verliert seine Fruchtbarkeit und
      versandet. Außerdem vernichten das Fegen und Kratzen die natürliche
      Verjüngung der Vegetation: Jeder Keimling wird herausgerissen, jeder
      Stock- oder Wurzelausschlag zerstört.
      Im Falllaub überwintern die Nützlinge, insbesondere die
      Blattlausfresser wie Florfliegen, Mariechenkäfer und viele mehr. Wird
      es zusammengefegt und weggeschafft, stehen die Pflanzen im nächsten
      Jahr ohne ihre "Polizei" da. Blattlausgradationen sind die Folge.
      Gerade an "gepflegtem" Gebüsch über ausgekratztem Boden kann man das
      alljährlich beobachten.
      Ich fürchte, dass mit den 1-Euro-Jobs noch mehr "Fachkräfte" unsere
      Grünflächen verwüsten - nirgends darf mehr ein Wildkraut wachsen oder
      Laub verrotten, überall wird man ausgeschabte nackte Erde mit
      den "hübschen" Rillen vom Rechen sehen - bis der Wind die Oberfläche
      als Staub verweht.

      Einen schönen Herbst wünsche ich Euch dennoch allen - hoffentlich mit
      buntem Laub, das Erde bedecken und schützen darf und bis in den
      nächsten Sommer zu fruchtbarem Humus zerfällt, der Pflanzen nährt.

      Euer Gilbert v.L.


      http://groups.yahoo.com/group/AgNAD
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