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Zur gegenwärtigen Panikmache um Prozessionsspinnerraupen

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  • Gilbert
    Als Entomologe habe ich Raupen der Prozessionsspinnerarten Thaumetopoea processionea (Eichenprozessionsspinner), T. pinivora (Kiefernprozessionsspinner) und T.
    Message 1 of 1 , Apr 23 11:44 AM
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      Als Entomologe habe ich Raupen der Prozessionsspinnerarten Thaumetopoea processionea (Eichenprozessionsspinner), T. pinivora (Kiefernprozessionsspinner) und T. pityocampa (Pinienprozessionsspinner, in Deutschland sehr lokal, überwiegend mediterrane Art) in Deutschland jahrzehntelang vergeblich gesucht.
      In den letzten Jahren nun kommen sie wieder etwas häufiger vor. Besonders der Eichenprozessionsspinner erregte jüngst starke Medienaufmerksamkeit (z.B. aktuell bei http://meinungen.gmx.net/forum-gmx/post/14985911?sp=224#jump).

      Die Art überwintert als Ei; die Raupen sind im Frühjahr bis Frühsommer fraßaktiv, verpuppen sich, und im Hoch- bis Spätsommer schlüpfen die Nachtfalter aus den Puppen und fliegen zur Paarung aus.

      Nicht nur der Sensationslust der Medien wegen, sondern vielleicht auch aus wirtschaftlichen Gründen wird die Gefährlichkeit dieser Raupen in Berichten und Diskussionen jedoch stark übertrieben.
      Vereinzelt wurde behauptet, die Art hätte wegen ihrer Brennhaare keine natürlichen Feinde. Das ist unzutreffend. Eine Heerschar von Insekten, z.B. Schlupwespen, Raupenfliegen und Raubkäfer und -wanzen sowie Spinnen stellen ihnen nach. Auch der Kuckuck soll sie fressen.

      Tatsächlich sollte man sicherheitshalber Abstand zu den Tieren bewahren. Sollten Waldstücke flächig "befallen" sein, wären sie zu meiden. Man achte sicherheitshalber auf die Windrichtung und beobachte die Raupen nicht gegen den Wind.
      Anfassen ist tabu.
      Ein einzelnes Nest irgendwo auf dem Grundstück oder am Straßenrand stellt praktisch keine Gefahr dar, wenn nicht gerade die Hauptwindrichtung von dort unmittelbar ins Zimmer weist.

      Öfter schon habe ich vor den Raupenzügen und Nestern gestanden, auch in Windrichtung.
      Ich bekam nie irgendwelche Probleme.
      Andere Menschen mögen empfindlicher sein, dennoch wird die Gefahr hochgespielt.
      In den Mittelmeerländern, in die so viele reisen, hängen die Pinien voll von Pinienprozessionsspinnernestern, die genauso gefährlich oder ungefährlich sind. Das kümmert niemanden.

      Man gönnt dieser Spezies, die jahrzehntelang selten war, in Deutschland nicht das geringste Existenzrecht. Ausrottung wie bei Tse-Tse-Fliege oder Malariamücke scheint auf dem Programm zu stehen. Wo immer ein Nest gemeldet wird, lassen die Behörden es vernichten.
      Aber wer weiß, vielleicht sind diese Raupen ja rechtsextremistisch ;-)

      Die Propaganda und Angstschürerei dienen nur der Rechtfertigung von Vernichtungsaktionen mit chemischen Giften oder aufwändigen Aktionen, die natürlich alle bezahlt werden müssen und mit denen Geld verdient werden kann.
      Nebenbei tötet dann noch jeder Laie jede harmlose behaarte Raupe, die im Verdacht steht, T. processionea zu sein, darunter auch viele geschützte Arten, z.B. der Arctidae, Bärenspinner.

      Man kann bei jeder behaarten Einzelraupe davon ausgehen, dass es sich nicht um eine Prozessionsspinnerraupe handelt, sondern um eine völlig harmlose, in der Regel selten gewordene Art.
      Doch auch behaarte Raupen in Gruppen sind harmlos. Unterscheidungsmerkmale sind das Vorhandensein von "Nestern", die bis zu ballgroß werden können und das geordnete "Marschieren" in Reihen. Raupen, die diese Merkmale nicht aufweisen, darf man durchaus auch mal vorsichtig streicheln.

      Von wirtschaftlichem Schaden kann man nur relativiert sprechen. Jeder Hauswart schneidet sinnlos mehr kaputt als die Raupen fressen können und jeder Gifteinsatz dürfte teurer sein als ihr "Fraßschaden" an Eichen. Selbst Kahlfraß führt meistens nicht zum Absterben des Baumes.

      Die Raupen sind übrigens recht hübsch anzusehen und bestimmt für jeden, der sie sieht, ein einmaliges Stück Naturerleben. Beeindruckend ist besonders ihr bekanntes Fortbewegungsverhalten in Reihen (also hintereinander) bis hin zur Marschordnung in drei Reihen nebeneinander, selten auch paradeartig in mehr als drei Reihen. Nur anfassen sollte man sie wegen möglicher allergieähnlicher Reaktionen auch gesunder Menschen wie gesagt nicht.
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